BILDSTEIN | GLATZ: Vom Mythos zur Sozialen Praxis
Seit 2003 spannt sich unser Werk im Bogen zwischen der Vita activa und der Vita contemplativa. Das Vokabular des Extremsports – seine Architekturen, seine Geschwindigkeit, die fatale Leistungsmystik – lieferte uns die Leinwand, um den Künstler-Mythos („HEROES NEVER DIE“) mit scharfer Ironie zu befragen. In dieser frühen Phase dienten unsere monumentalen Konstruktionen als performative Requisiten, in denen die Handlung des Künstlers – die konzeptuelle Setzung und der Prozess – unmissverständlich im Zentrum stand.
Die konsequente Selbstkritik am eigenen System zwingt zur relationalen Wende. Wir erkennen die Ironie-Falle – die Gefahr, dass Spektakel und Ironie die kritische Distanz verschlingen – und vollziehen eine notwendige Neuausrichtung. Diese Transformation ist eine logische Konsequenz unseres ständigen Interesses am kollektiven Prozess, der schon immer die eigentliche DNA unserer Arbeitsweise war. Der Fokus löst sich entschieden vom perfekt inszenierten Objekt und sucht den sozialen, prozessualen Event.
Unsere Arbeit wandelt sich zu offenen sozialen Plattformen, zu temporären Architekturen der Gemeinschaft. Die monumentalen Formen sind nicht länger bloß Illustrationsmittel, sondern werden zum frei bespielbaren, gemeinschaftlichen Raum – einem direkten Analogon zur Relationalen Ästhetik. Hier verlagert sich die Suche nach Sinnstiftung von der individuellen, heroischen Geste zur kollektiven Erfahrung und zur Produktion von Sozialität im Kunstraum. Das Werk transformiert sich vom Requisit in ein Gefäß für unvorhersehbare, unmittelbare Aktivität der Teilnehmenden und beginnt, den gesellschaftlichen Raum zu formen.
Wir entscheiden uns für den Ausbruch aus der Ironie, indem wir auf echtes soziales Risiko und ungeschützte Interaktion setzen, statt dem kontrollierten narrativen Gestus zu folgen. Wir überschreiten die Grenzen des Spektakels. Das Credo „We Exist to Make Art Better“ wird nun eingelöst durch die kollektive Praxis und die tiefere Verankerung der Kunst als Soziale Plastik in der sozialen Begegnung.